Zu Tisch in Tirol : Muas – Vegan MoFo #2

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Muas – auch Mus  genannt – ist ein typisches Arme-Leute-Essen aus dem Gebirge. Meine Mutter kennt es als „wenn das Geld knapp war“-Gericht aus ihrer Kindheit in Oberbayern und auf vielen Hütten gehört das Muas heute noch selbstverständlich auf die Speisekarte, lassen sich die Zutaten doch gut lagern oder sind auch auf der Alm frisch verfügbar.

Zu den üblichen Zutaten gehören – natürlich – Butter und Milch, die habe ich in dieser veganen Version ersetzt. Ansonsten gibt es eine Vielzahl von Rezeptvariationen: Weißes Maismehl kommt vor allem in Südtirol zum Einsatz (teils auch Halbe/Halbe mit Weizenmehl), in Bayern kocht man vor allem Mehlmuas, nimmt also nur Mehl als Basis und die hier vorgestellte Version aus Tirol nutzt Weichweizengrieß. Wie bei vielen dieser Rezepte sind die Mengenangaben nicht so ganz genau, sondern Pi mal Daumen gerechnet – was natürlich auch daher kommt, dass Naturprodukte immer gewissen Schwankungen unterliegen, jeder seine eigenen Präferenzen bezüglich Konsistenz, Geschmack und Zutaten hat und gerade diese alltäglichen Gerichte auf Dauer einfach aus dem Ärmel geschüttelt werden. Wenn man die Angaben in etwa einhält, kommt immer Muas heraus. Das Rezept zu finden, das einem am Besten schmeckt braucht dann aber Jahre.

Klassisch serviert man es mit Preiselbeeren, aber der Fantasie sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Ich habe hier frische Beeren dazugegeben, aber auch Apfelkompott, Kakaopulver oder Zimt-Zucker wären gute Begleiter.

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Zutaten: (Für zwei)

500ml Mandelmilch (ggf. +1 TL Zucker (falls ungesüßt))
2 EL Alba-Öl (+1EL als Glasur) (Rapsöl mit Buttergeschmack; Alternativ: Margarine mit Buttergeschmack)
ein guter Schluck (ca. 1/2 Tasse) Wasser
1/2 Tasse Weichweizengrieß
1/2 Tasse Weizenmehl
Preiselbeeren im Glas
Frische Beeren (nach Geschmack)
1 gute Prise Salz

Zubereitung:

Mandelmilch, Albaöl und Wasser in eine kleine, unbeschichtete Pfanne geben (ich nutze eine Sauteuse) und leicht salzen. Grieß und Mehl langsam einrühren (gründlich verrühren, sonst gibts Klümpchen!) und dabei auf hoher Flamme aufkochen. (Jetzt eventuell nochmal Mandelmilch nachgeben, wenn die Konsistenz schon zu fest ist)
Durchgängig weiterrühren, dabei allmählich die Hitze reduzieren. Das Muas ist fertig, wenn der Brei anfängt Blasen zu werfen (ca 10 Minuten Kochzeit). Dann etwas Albaöl als Glasur verteilen.
Mit einem großen Klecks Preiselbeeren garnieren, Beeren dazugeben und in der Pfanne mit einem Löffel servieren.

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VeganMoFo #1 – knusper knusper Knäuschen

 

Der erste Tag des diesjährigen VeganMoFo fällt – weniger zufällig – auf den Weltvegantag. Und während auf Twitter, Facebook und in den Kommentarspalten verschiedener Onlinemedien wieder kriegsähnliche Frontkämpfe zwischen Veganern und Nicht-Veganern toben, zeige ich euch eins meiner liebsten, am schnellsten gemachten Gerichte, die so vegan sind, dass man nicht einmal merkt, dass Ei, Milch, Butter und Fleisch fehlen: Churros.

Churros stammen aus der spanischen Küche und sind dort und in Südamerika allseits beliebtes Streetfood – und zwar schon viel länger als es diesen Begriff eigentlich gibt. Wie alles, was in reichlich Fett ausgebacken wird, schmecken sie himmlisch. Und um nicht den Eindruck zu erwecken, dass es irgendwie gesund zugehen könnte, tunke ich sie (die Kombination ist allerdings eher in Südamerika üblich) in eine Dulce de Leche aus Kokosmilch. Eine Dulce de Coco also (Spanischsprecher sollten hier aber vermutlich weglesen…). Natürlich kann man sie aber auch klassisch zubereiten: Mit einer dunklen Dip-Schokolade, Schokoglasur, Zimtzucker oder in Zucker gewälzt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und der unaufdringliche Geschmack der Churros erlaubt eine Vielzahl an Kombinationen.

Churros vegan Dulche de Coco
Churros mit Dulce de Coco

Ausgeliehen habe ich mir das Rezept für Churros bei Veganguerilla; so oder so ähnlich findet man es aber auch auf vielen anderen Plattformen.

Zutaten für zwei Portionen (etwa doppelt so viel wie auf den Bildern zu sehen):

165ml Wasser
150g Mehl
1 Prise Salz
1 EL Öl (mit Buttergeschmack, wenn zur Hand) optional

Öl zum Frittieren (genug, dass die Churros ganz eintauchen können)
Spritzbeutel

Basis für die Churros ist ein Brandteig. Dazu wird das Wasser mit dem Öl und dem Salz zum Kochen gebracht, das Mehl zügig und gründlich mit einem Schneebesen/einem Spachtel in das kochende Wasser eingerührt und der Topf im Anschluss sofort von der Kochplatte genommen. Beim Einrühren sollte schnell und gründlich gearbeitet werden, damit sich keine Klümpchen bilden. Der entstehende Teig sollte einen eher zähen, hefeteigähnlichen Klumpen bilden und nicht flüssig sein.

Wer, wie ich, mit einer Spritztüte im Handbetrieb arbeitet und keine Churromaschine oder ein Gerät für Spritzgebäck hat, sollte den Teig nicht zu kalt werden lassen, sondern direkt weiterarbeiten, wenn er eine angenehme Handwärme erreicht hat, er wird sonst sehr fest und die weitere Verarbeitung damit deutlich anstrengender.

Zunächst wird das Frittieröl in einem Topf heiß gemacht – wer eine Küchentür hat, schließt die besser, sonst stinkt die ganze Wohnung noch Tage nach Fritten. Ob das Fett heiß genug ist prüft man am Besten mit einem Holzkochlöffel: Sammeln sich daran kleine Bläschen, kann es losgehen:

Die Teigmasse wird in einen Spritzbeutel gepackt, eine Tülle mit Rillen vorne angebracht und der Teig direkt in das Frittierfett gedrückt. Mit etwas Übung bekommt man Tropfen, Stäbchen, Achter und Co hin, wer ähnlich unbegabt ist wie ich, freut sich darüber, dass es überhaupt eine Form hat. Vorsicht ist natürlich im Umgang mit heißem Fett geboten: Achtet darauf, dass es nicht zu heiß wird (gefährlich! brennendes Fett nie mit Wasser löschen!) und natürlich darauf, dass die Churros nicht verbrennen, denn die sind – je nach Dicke der Tülle – teils relativ fix fertig.

Wenn die gewünschte Bräune erreicht ist kann man die Churros mit einem Löffel aus dem Fett angeln, auf einem Küchenpapier abfetten und noch warm genießen. Wie alles Fettgebackene schmecken sie aufgehoben eher nur noch so mittelprächtig. Also lieber weniger machen und ggf. den übrigen Teig im Kühlschrank für eine zweite Runde bunkern.

Churros mit Dulce

Die Dulce de Coco eignet sich nicht nur als Churro-Dip, sondern auch als leckerer Brotaufstrich für Süßtiger und Kokosfans. Angelehnt ist sie an das Rezept für Milchmarmelade, das in Teilen Südamerikas als Dulce de Leche bekannt und beliebt ist und kann natürlich auch mit Mandelmilch und Co hergestellt werden – allerdings variiert dann die Kochzeit.

Zutaten für ein kleines Glas: 

400ml Kokosmilch (aus der Dose, nicht die Trinkmilch von Alpro und Co)
100g Rohrohrzucker
Mark einer Vanilleschote

Die Kokosmilch mit dem Zucker und der Vanille aufkochen und bei verringerter Hitze weiter köcheln lassen und dabei immer wieder umrühren – es dauert etwa 40 Minuten, bis sich die Masse soweit eingekocht hat (abhängig von der verwendeten Kokosmilch, dem Topf, der Hitze, etc). Ob die gewünschte Konsistenz schon erreicht ist kann man testen, indem man mit einem Löffel ein wenig abnimmt und das Kokoskaramell dann abkühlen lässt. Die gewünschte Konsistenz ist erreicht, wenn das Karamell etwa die Konsistenz flüssigen Honigs und eine schöne goldgelbe Farbe hat.

Die Creme wird dann in ein sauberes Gläschen verpackt und kann auskühlen. Im Kühlschrank hält sie sich mehrere Tage, vermutlich sogar Wochen.

Vegan MoFo 2016

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Der Vegan MoFo war für mich immer eine feste Größe, in den letzten Jahren habe ich es aber einfach nicht mehr geschafft regelmäßig teilzunehmen: Das Erstellen der Beiträge, die Vorbereitung und das Fotografieren haben mich einfach zu unvorbereitet getroffen, so dass mir nach den ersten Tagen schon die Puste ausging.

Und trotzdem möchte ich dieses Jahr wieder mitmachen: Der Vegan MoFo bietet immerhin die Möglichkeit internationale Kontakte zu knüpfen, andere Perspektiven, Küchen, Geschmäcker und Blogs kennenzulernen und sich mit dem eigenen Kochen auseinanderzusetzen.

Dieses Jahr werden tägliche Themen vorgeschlagen, an denen ich mich nur lose orientieren will. Aber ich habe für mich ein anderes Thema gefunden: Ich werde über die europäische Küche bloggen, über fremde Geschmäcker und bekannte Gerichte, über die Mannigfaltigkeit und die Einheit Europas. Darüber, dass uns Unterschiede nicht trennen müssen, sondern Facetten eines großen ganzen sein können.

Ich glaube, dass dieser Vegan MoFo auch ein europäischer sein kann und muss. Dieses 2016 war ein fürchterliches für das Projekt „Europäische Einheit“ – auch deshalb, weil wir von der Einheit immer Großes, Politisches erwarten, sie unser Leben aber oft nicht betrifft. Deswegen nehme ich euch unter dem Thema Europa schmecken auf eine kulinarische Wanderung mit. Wir erleben dabei Unbekanntes und Vertrautes, schauen in rumänische Kochtöpfe und schottische Backöfen und finden vielleicht in der Fremde vertrautes und in bekannten Gefilden Neues.


Weitere Informationen/Anmeldung (bis 21.10.2016):
Vegan MoFo Homepage
Vegan MoFo Facebook

Alles auf Anfang

Monate nicht gebloggt, eingeloggt, WordPress zerschossen.

Ich frage mich schon lange, ob ich diesen Blog noch behalten will, habe ich doch schon seit Jahren keine Zeit mehr regelmäßig zu schreiben und oftmals gehen mir auch schlicht die Themen aus: Als ich vor fast 15 Jahren vegan wurde, war ‚vegan‘ noch nicht in aller Munde – das Internet war ein Rückzugsort und die Möglichkeit mit den wenigen Gleichgesinnten in Verbindung zu treten, über die Alltäglichkeiten des Veganerlebens zu berichten und sich dabei den Frust von der Seele zu schreiben.

Mittlerweile ist das anders.

Veganer finde ich nun sogar in meinem Bekanntenkreis zur Genüge und selbst im bayerischen Biergarten mustert einen die Bedienung nur noch heimlich, wenn man das vegan ausgepriesene Gericht von der Karte bestellt.

Wir sind im Mainstream angekommen.

Man muss Neuveganern keinen Mut mehr machen, ich muss mir aber auch keinen Frust mehr von der Seele schreiben, wenn im Bekanntenkreis mal wieder jemand das Bullshit-Bingo auspackt. Mittlerweile habe ich alles schon gehört, alles schon gesehen, keiner der Witze überrascht mich noch und die ständig wachsende vegane Angebotspalette ist längst kein Grund mehr zu überbordender Freude, sondern Normalität.

Noch vor ein paar Jahren war die Ankündigung eines neuen veganen Produkts fast allen Veggie-Bloggern eine Ankündigung wert: Ein neues Gesichtswasser, eine vegane Milchschokolade oder eine aufschlagbare Sahne verursachten ein Rauschen im digitalen Amateur-Blätterwald. Mittlerweile muss man aber nicht mal mehr das weit abgelegene Reformhaus aufsuchen oder extra zum Biosupermarkt fahren, selbst der Discounter um die Ecke hat die gängigsten Milchalternativen und Aufstriche.

Wozu also noch ein Vegan-Blog?

Das Internet ist voll von Veganblogs, es wäre vermessen zu meinen, dass es noch einen braucht, dass zum Thema ‚Vegan‘ nicht schon von den führenden Medien alles gesagt wird oder sogar worden ist. es benötigt niemanden, der den dritten Artikel über irgendeinen Zeitungsartikel schreibt oder eine neue Publikation vorstellt.

Ein Blog – so auch dieser hier – dient vor allem demjenigen, der dahinter steckt. Ich hatte in den vergangenen Jahren viel Spaß mit meinen Teilnahmen am VeganMoFo und damit mit manchen Frust von der Seele zu schreiben. Manche Projekte habe ich gestartet und wieder aufgegeben und allerhand interessante Bekanntschaften gemacht. Ich will meinen Blog vor allem als persönliches Schreibprojekt erhalten – ich werde auch in Zukunft nicht oft hier posten, ich habe kein Interesse daran meinen Blog zu monetarisieren und erst recht nicht langfristige Kooperationen einzugehen. Aber ich glaube, dass die Bloglandschaft eines leisten kann: Sie kann individuelle Perspektiven abbilden und zu Diskussionen und Reflexionen anregen.

Das kann ich sein: Eine Stimme, eine Perspektive.